Systemische Beratung

Das systemische Weltbild und seine Prinzipien

Das systemische Paradigma ist eine Antwort auf die Komplexität und Dynamik von Lebenswelten und der damit verbundenen Ungewissheit und Unsteuerbarkeit von lebenden Systemen. 

Das systemische Weltbild

Das mechanistische Weltbild

  • Objektivität, eine Wahrheit, unveränderliche Gesetze
  • richtig - falsch, schuldig - unschuldig
  • (Fremd)Steuerung
  • lineare Kausalketten
  • messbarer, fixer Unterschied
  • linearer Fortschritt, ändern
  • formale Logik, Widerspruchsfreiheit, Ausschluss
  • harte Fakten, rationale Beziehungen
  • Rollen: Macherin, Führer und Geführte, Manipulation
  • Methoden: Instruktion, Anordnung, Befehl, Lernen durch Versuch und Irrtum

Das systemische Weltbild

  • Wirklichkeitskonstruktion, Wahrheiten, Thesenbildung
  • Kontextabhängigkeit, Nützlichkeit, Anschlussfähigkeit
  • Selbststeuerung, Selbstorganisation
  • vielfältige Wechselwirkungen, Feedbackschleifen
  • sich unterscheiden, verändern
  • Entwicklung, ändern und bewahren, deblockieren
  • Integration von Widersprüchen, Einbeziehung
  • Integration von harten und weichen Faktoren 
  • Rollen: Impulsgeberin, Entwicklungshelfer, Coach
  • Methoden: Zuhören, Fragen, Dialog, Diskussion, Reflexion, Lernen des Lernens

Die Prinzipien der systemischen Beratung

Begrenztheit: Interventionen können nur Impulse sein, aus denen das Klientensystem das macht, was es machen kann. Die Möglichkeit des Einflusses auf das Systemgeschehen von außen ist sehr beschränkt.

 

Balance zwischen Verändern und Bewahren: Die Beraterin kann der Klientschaft nur die Spannung zwischen Verändern und Bewahren oder Widersprüche sichtbar machen und für eine Bearbeitung öffnen. Die Klientschaft trifft allein die Entscheidung, wie sie damit umgeht.

 

Mobile-Effekt: Wo Energie vorhanden ist, sollte angefangen werden. Wie bei einem Mobile haben Interventionen an jeder Stelle Auswirkungen auf andere Bereiche.

 

Integration: Harte und weiche Faktoren sind nicht voneinander zu trennen.  Vision, Strategie, Struktur und Kultur stehen in Wechselwirkung.

 

Maßschneiderei, Prozessorientierung: Anschlussfähige Interventionen müssen kontextabhängig geplant und im Prozess immer wieder angepasst werden.

 

Reflexion: Um ihrer Rolle und Aufgabe gerecht zu werden, muss die Beraterin ständig Reflexionsschleifen durchlaufen.

 

Anschlussfähigkeit: Beratende sind Beobachtende zweiter Ordnung - im Gegensatz zu den Mitarbeitenden des Unternehmens, die Beobachtende erster Ordnung sind - und müssen sich daher bemühen, die hinter den agierenden Personen wirksamen Strukturen und Logiken des Systems zu erkennen und anschlussfähig zu intervenieren.

 

Partnerschaft: Die Beraterin muss selbst ein stabiles System sein und ihre Nähe-Distanz-Regelung bezüglich der Klientschaft bewusst gestalten und sich wieder überflüssig machen.

 

Mehr-Brillenprinzip: d. h. Arbeit mit Perspektivenwechsel und mit Sichtweisen verschiedener, widersprüchlicher Strömungen.

 

Umsetzungsorientierung: Implementierung ist von Beginn an integrales Prozesselement.

Aus Roswita Königswieser, Martin Hillebrand, Einführung in die systemische Organisationsberatung, 2011